Hommage an Amy Winehouse
T I E F E R
was geschah in diesen hunderttausend augenblicken
die sie lebte bebte zitterte erfror
was geschah in diesen hunderttausend augenblicken
als sie sich im wilden schmerz verlor
fing die einsamkeit die kälte einfach an im takt
einen schritt von weich nach hart
von warm nach kalt von kalt nach nackt?
was geschah denn dass als rinnsal ihre seele
langsam tropfend dort im niemandsland verschwand,
was geschah in diesen hunderttausend augenblicken,
hinter dieser kinderstirne
dieser kleinen unscheinbaren wand...
wer zwang ihr die seele aus dem leib
wer schält ab die haut aus selbstwertzuversicht
zerschmettert die gefühlstentakeln
zerrt am ich so lange, bis es bricht
hunderttausend augenblicke
hunderttausend satzsequenzen
hunderttausend bildsequenzen
hunderttausend aktsequenzen
hunderttausend ich in allem
hunderttausend ich und nirgends
hunderttausend ich und ich
hundertsausend suchaktionen
hunderttausend ohne dich...
2009 © Gabriele Brunsch
was geschah in diesen hunderttausend augenblicken
die sie lebte bebte zitterte erfror
was geschah in diesen hunderttausend augenblicken
als sie sich im wilden schmerz verlor
fing die einsamkeit die kälte einfach an im takt
einen schritt von weich nach hart
von warm nach kalt von kalt nach nackt?
was geschah denn dass als rinnsal ihre seele
langsam tropfend dort im niemandsland verschwand,
was geschah in diesen hunderttausend augenblicken,
hinter dieser kinderstirne
dieser kleinen unscheinbaren wand...
wer zwang ihr die seele aus dem leib
wer schält ab die haut aus selbstwertzuversicht
zerschmettert die gefühlstentakeln
zerrt am ich so lange, bis es bricht
hunderttausend augenblicke
hunderttausend satzsequenzen
hunderttausend bildsequenzen
hunderttausend aktsequenzen
hunderttausend ich in allem
hunderttausend ich und nirgends
hunderttausend ich und ich
hundertsausend suchaktionen
hunderttausend ohne dich...
2009 © Gabriele Brunsch
Als ich vom Tod der Amy Winehouse hörte, fiel mir sofort dies Gedicht von Gabriele Brunsch ein. Für mich passte es - fast visionär, da sie es schon 2009 geschrieben hatte. Daraus erwuchs der Projektgedanke, wiederum innere Zustände äußerlich sichtbar zu machen.
Eine behutsame Auseinandersetzung mit dem Menschen Amy Winehouse begann für mich. Ihre Lieder wurden für mich zum Medium. Sie war in ihnen während meiner Arbeit allgegenwärtig. Mein Blick auf sie veränderte sich, wurde weicher, das Kind in ihr wurde für mich erfahrbar. Dann wieder die Haltlosigkeit, die ihr die Drogen aufdiktierten. Was zerrte an ihr bis zum Zerbruch? Was geschah in diesen hunderttausend Augenblicken? Sie war als Sängerin in jedem ihrer Lieder und doch war sie nirgends, ständig auf der inneren Suche, Gefangene ihrer inneren Höllenfahrt. Wovor wollte sie fliehen, was betäuben, unspürbar machen für sich? Sie hat dafür einen hohen Preis bezahlt. Sie wurde gesehen, wie sie nie gesehen werden wollte, nackt, verzerrt, schmerzerfüllt, hilflos und voyeuristisch wurden alle zu Zeugen ihres Zerfalls.
Ich möchte sie finden, sie wieder bedecken - für mich, indem ich versuche, sie in ihrem Schmerz, ihrer Zerrissenheit zu sehen, dies auch fühlbar werden zu lassen. Es ist ein sehr behutsames Herantasten an eine Schmerzseele - hunderttausend Suchaktionen... vielleicht aber eine, in der ich sie finden darf.




